Interview mit Isabell Werth, der fünffachen Dressur-Olympiasiegerin
Ein langer Weg zum Erfolg
Frau Werth, wie ist es derzeit um die deutsche Dressurreiterei bestellt. Die Zeiten der Alleinherrschaft sind doch wohl vorbei?
Isabell Werth: „Die Olympischen Spiele, auch die letzten Weltreiterspiele und Europameisterschaften haben eindeutig gezeigt, dass andere Länder nicht nur aufgeschlossen haben, sondern uns teilweise sogar schon überholt haben. In Holland, aber auch in Dänemark, Schweden und England wird viel investiert in diesen Sport. Deshalb ist es ganz wichtig, dass in Deutschland etwas von unten nachwächst. Das Turnier in Neubeeren ist eine von vielen Möglichkeiten, dem Nachwuchs eine Chance zu geben, sich zu präsentieren.“
Und was können Sie über unsere Junioren und Jungen Reiter sagen?
Isabell Werth: „Wir haben sehr gute und auch veranlagte Talente, die sich bereits bewährt haben. Doch es ist ein dornenreicher Weg, um vom St. Georg bis zum Grand Prix zu gelangen. Den schaffen nur wenige. Da bedarf es einer langen, intensiven Ausbildung, die schließlich das Fundament aller Erfolge ist. Außerdem muss auch noch das passende Pferd zu dem passenden Reiter gefunden werden, was beinahe noch schwieriger ist. Ich interessiere ich mich natürlich schon dafür, wie es um unsere deutschen Hoffnungen bestellt ist. Ich kann immer wieder nur an die jeweiligen Landestrainer appellieren, stets auf korrektes Reiten zu achten.“
Nach Neubeeren werden Sie aber wohl nicht kommen können, um sich einen Überblick zu verschaffen?
Isabell Werth: „Nein, das geht leider nicht. Dazu bin ich noch zu sehr im Hochleistungssport engagiert und mit meinen Pferden ständig auf internationalen Turnieren unterwegs. Schließlich möchte ich mich ja nicht nur für die kommenden Reiterspiele Ende September/Anfang Oktober in Kentucky qualifizieren, sondern habe auch noch Olympia 2012 in London im Blick. Dennoch möchte ich auf diesem Weg unseren jungen Reitern viel Erfolg beim Young Neighbours Meeting wünschen.“
Was glauben Sie, welchen Vorteil besitzt solch ein Nachwuchsturnier?
Isabell Werth: „Man ist zum einen unter sich, braucht nicht gleich gegen die routinierten Profis anzutreten und puscht sich untereinander auf. Zum anderen besteht auch die Gelegenheit, soziale Kontakte zu knüpfen, sich einen Überblick zu verschaffen, was die internationale Konkurrenz macht und mit welchen Methoden wo anders gearbeitet wird. Was nichts anderes heißt es, als die Augen aufzusperren und zu lernen.“
Dass überhaupt solch ein Turnier für den Nachwuchs stattfindet, muss doch für Sie eine Art Genugtuung sein?
Isabell Werth: „Da gilt es in erster Linie dem Dr. Peter Danckert ein aufrichtiges Dankeschön zu sagen. Die Sport lebt nun einmal von privaten Initiatoren, von deren Unternehmergeist und Engagement. Ohne sie wäre es traurig um die Szene bestellt. Ich kann jedenfalls nur tief den Hut vor solchen Persönlichkeiten ziehen. In unserer derzeitigen, wirtschaftlich schwierigen Situation ist es wahrlich nicht einfach, Sponsoren zu finden, die solch ein Meeting überhaupt erst ermöglichen. Das sollte sich eigentlich jeder einmal vor Augen halten, der in den Sattel steigt.“
Letzte Frage, wie geht es denn Ihnen, der jungen Mutter, persönlich?
Isabell Werth: „Sehr gut, wobei mir mein gerade achtmonatiger Sohn Frederik natürlich viel, viel Freude bereitet. Er ist sozusagen meinen Sonnenschein. Wenn er mich anstrahlt, dann kann ich alles andere vergessen. So oft es geht, nehme ich ihn zu Turnieren mit. Schließlich will ich sportlich noch einiges erreichen und hoffe, dass meine Pferde gesund bleiben.“