Interview mit Ludger Beerbaum, dem vierfachen Olympiasieger im Springreiten:
Großes Kompliment den Machern
Frage: Durch Ihr Engagement des nach Ihnen benannten Ludger Beerbaum-Preises haben Sie eine besondere Beziehung zur Nachwuchs-Szene in Berlin-Brandenburg aufgebaut. Wie sehen Sie das inzwischen nun schon zehnten Mal stattfindende Young Neighbours Meeting?
Ludger Beerbaum: „Ich finde es eine ganz großartige Sache, was im Laufe der letzten Jahre in Neubeeren geschaffen wurde, dass dort ein bedeutendes Turnier stattfindet, in dem die jungen Reiter einmal ganz unter sich sind und nur mit Gleichaltrigen ihre Kräfte messen können. Erfreulich ist, dass diesmal wieder verstärkt internationale Konkurrenz antritt, so dass man einen guten Vergleich erhält, wie es um unsere Talente bestellt ist.“
Frage: Mit dem Turnier ist auch der Name eines Mannes verbunden, den Sie seit langem gut kennen.
Beerbaum: „Ohne Abstriche muss man Dr. Peter Danckert ein dickes Kompliment machen und ihm zugleich großen Dank aussprechen, dass er nicht nur im Jahr 2000 die Initiative ergriff, um solch eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, sondern dass er sie bis zu dem heutigen Tag auch erfolgreich durchgezogen hat, wobei er natürlich viele Helfer zur Seite hat. Es ist nämlich nicht leicht, die notwendigen Sponsoren für ein Jugendturnier zu gewinnen, um überhaupt erst einmal die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Prüfungen entsprechend dotiert werden können.“
Frage: Sicherlich wäre es eine tolle Sache für die Veranstalter, wenn Sie für einen Tag mal vorbeischauen könnten. Doch das wird wohl kaum möglich sein?
Beerbaum: „Ja, so ist das leider. Mein Terminkalender ist proppevoll. Es gibt während des Sommers kaum ein Wochenende, an dem ich nicht unterwegs bin. Während des Young Neighbours Meeting starte ich beispielsweise im portugiesischen Estoril, danach folgt gleich Aachen. Außer den vielen Turnierstarts habe ich auch noch andere Verpflichtungen zu erfüllen und einen großen Stall mit vielen Angestellten. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht für das interessiere, was in Neubeeren geschieht. Schließlich ist es auch für mich wichtig zu wissen, was von unten heranwächst. Ich bin sicher, dass wir eines Tages den einen oder anderen Starter in einer unserer Nationalmannschafts-Equipen wiederfinden werden.“
Frage: Wahrscheinlich wird das aber eher von den Teilnehmern aus dem Westen des Landes denn aus Berlin-Brandenburg der Fall sein.
Beerbaum: „Man sollte in dieser Beziehung nicht so schwarz sehen. Bei meinen Herbst-Lehrgängen in Neubeeren, die stets im Anschluss an die Prüfungen meines über mehrere Turniere verteilten Preises stattfinden, konnte ich immer wieder erfreut feststellen, dass es in der Region aufwärts geht, was sowohl was das Pferdematerial als auch die Reiter anbelangt. Eine Evi Tilger oder auch ein Kilian Lorenz beziehungsweise Maximilian Wricke haben mir bei meinem letzten Besuch sehr gut gefallen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass hier schon recht professionell gearbeitet wird, was sich gewiss eines Tages auch auszahlt.“
Und welchen Rat geben Sie den Teilnehmern des diesjährigen Turniers mit auf den Weg?
Beerbaum: „Sie sollen zwar engagiert, wie sich das gehört, um Sieg und Plätze kämpfen, aber auch die Gelegenheit dazu nutzen, um Freundschaften zu schließen oder vorhandene aufzufrischen. Da man die Altersgrenze diesmal auf 25 Jahre hochgesetzt hat, werden sicherlich einige dabei sein, die sich schon länger kennen. Nicht umsonst heißt das Turnier Young Neighbours, was nichts anderes bedeutet, als untereinander gute Nachbarschaft zu pflegen.“